Warum Notbeleuchtung normgerecht geplant werden muss
Fällt die allgemeine Beleuchtung aus, müssen Menschen ein Gebäude trotzdem sicher verlassen können. Die Notbeleuchtung übernimmt diese Aufgabe: Sie leuchtet Fluchtwege aus und macht gefährliche Bereiche sichtbar, wenn das normale Netz versagt.
Weil davon im Ernstfall Menschenleben abhängen, ist die Notbeleuchtung nicht der freien Gestaltung überlassen. Sie folgt normativen Vorgaben, die Anordnung, Betriebsdauer und Umschaltverhalten regeln. In Europa bauen viele nationale Regeln auf den Grundsätzen der IEC 60364 auf.
Dieser Beitrag ordnet die Arten der Notbeleuchtung ein, zeigt die Anforderungen an Fluchtwege und beschreibt, worauf bei Bemessung, Prüfung und Dokumentation zu achten ist.
Arten der Notbeleuchtung
Der Begriff Notbeleuchtung fasst mehrere Beleuchtungsarten zusammen, die unterschiedliche Aufgaben haben. In der Planung müssen sie getrennt betrachtet werden, weil sie unterschiedlich bemessen und versorgt werden.
Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege
Sie kennzeichnet und beleuchtet Rettungswege, Ausgänge und Treppen so, dass sich Personen orientieren und das Gebäude verlassen können.
Beleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung
An Orten, an denen bei Ausfall der Beleuchtung gefährliche Arbeiten nicht abgebrochen werden können, hält die Sicherheitsbeleuchtung den Betrieb aufrecht, bis die Tätigkeit sicher beendet ist.
Orientierungsbeleuchtung
Sie unterstützt die Erkennbarkeit von Flucht- und Rettungszeichen sowie von Hindernissen auf dem Weg nach draußen.
Anforderungen an Fluchtwege
Rettungswege müssen auch bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung durchgehend erkennbar bleiben. Aus dieser Grundanforderung leiten sich die wichtigsten Planungsregeln ab.
- Rettungswege werden so ausgeleuchtet, dass die Richtung zum Ausgang erkennbar ist
- Flucht- und Rettungszeichen sind so anzuordnen, dass sie auch im Dunkeln sichtbar bleiben
- Ecken, Treppen, Ausgänge und Höhenänderungen erhalten besondere Beachtung
- Punkte, an denen zwei Wege zusammentreffen, sowie erste Hilfe leistende Stellen werden gekennzeichnet
- Hindernisse und Flächen, die die Sicherheit beeinträchtigen, werden nicht im Stich gelassen
Die Anordnung der Leuchten folgt dem Weg, den eine Person im Ernstfall tatsächlich nimmt. Deshalb beginnt die Planung nicht am Verteiler, sondern am Grundriss mit den Fluchtwegen und Ausgängen.
Betriebsdauer und Umschaltverhalten
Notleuchten müssen nach einem Netzausfall innerhalb einer kurzen Umschaltzeit anspringen und für eine festgelegte Dauer weiterleuchten. Diese Dauer richtet sich nach der Nutzung des Gebäudes.
Für die allgemeine Rettungswegbeleuchtung werden in der Regel Betriebszeiten von mindestens einer Stunde gefordert. In Gebäuden, die nicht sofort geräumt werden können, und bei besonderen Gefährdungen sind längere Zeiten üblich. Die konkrete Vorgabe ergibt sich aus den nationalen Regeln und der Nutzung.
| Beleuchtungsart | Aufgabe | Betriebsdauer |
|---|---|---|
| Fluchtweg | Orientierung und Verlassen des Gebäudes | nach nationalen Regeln, meist mindestens eine Stunde |
| Gefährdete Arbeitsplätze | Ablauf gefährlicher Tätigkeiten sichern | bis zum sicheren Abschluss der Tätigkeit |
| Orientierung | Kennzeichnung von Wegen und Zeichen | wie die zugehörige Sicherheitsbeleuchtung |
Die Umschaltzeit beschreibt, wie schnell die Notleuchte nach Ausfall der Allgemeinbeleuchtung ihre Funktion übernimmt. Sie ist ein zentrales Kriterium, weil eine späte Zuschaltung die Orientierung in der ersten, kritischen Phase nicht mehr sicherstellt.
Bemessung und Anordnung der Leuchten
Die Beleuchtungsstärke auf dem Rettungsweg und die Gleichmäßigkeit ihrer Verteilung sind die maßgebenden Größen bei der Bemessung. Beide hängen von der Leuchtenleistung, ihrer Höhe und dem Abstand zueinander ab.
- Fluchtwege und Ausgänge im Grundriss festlegen.
- Gefährdete Bereiche und Zusammentreffen von Wegen markieren.
- Leuchten nach Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit platzieren.
- Umschaltzeit und Betriebsdauer für jede Zone festlegen.
- Versorgung und Absicherung vom Netzbetrieb abgrenzen.
- Zusätzliche Kennzeichnung von Hindernissen und Zeichen einplanen.
Weil die Anforderungen räumlich variieren, wird die Bemessung bereichsweise durchgeführt: ein Rettungsweg im Flur stellt andere Anforderungen als ein Ausgangsbereich oder eine Treppe. Eine pauschale Verteilung über das ganze Gebäude führt selten zu einem normgerechten Ergebnis.
Prüfung und Wartung
Eine normgerechte Planung allein genügt nicht. Notleuchten müssen in regelmäßigen Abständen geprüft werden, damit ihre Funktion im Ernstfall gesichert ist.
- Funktionsprüfung durch simulierten Netzausfall
- Prüfung der Betriebsdauer über die volle geforderte Zeit
- Kontrolle der Kennzeichnung und Sichtbarkeit von Zeichen
- Prüfung der Versorgung, etwa Batterien und Ladetechnik
- Dokumentation jeder Prüfung mit Datum und Ergebnis
Die Prüfintervalle und der Umfang ergeben sich aus den nationalen Vorgaben. Für die Praxis ist wichtig, dass die Prüfung dokumentiert wird – nur so lässt sich im Schadensfall nachweisen, dass die Anlage instand gehalten wurde.
Versorgung und Umschaltung
Notleuchten brauchen eine Versorgung, die vom Ausfall des allgemeinen Netzes unabhängig ist. Dafür gibt es zwei grundsätzliche Wege, die unterschiedliche Anforderungen an die Planung stellen.
Einzelbatterie
Jede Leuchte trägt eine eigene Batterie und eine eigene Ladeüberwachung. Die Verkabelung bleibt einfach, weil kein zentraler Speicher versorgt werden muss. Dafür verteilt sich die Wartung auf viele einzelne Geräte.
Zentrale Versorgung
Bei einer zentralen Anlage übernimmt eine gemeinsame Einheit die Versorgung aller Notleuchten. Das erleichtert die Überwachung und Wartung, verlangt aber eigene Leitungen und eine entsprechend abgesicherte Verteilung.
In beiden Fällen schaltet die Anlage beim Ausfall der Allgemeinbeleuchtung automatisch um. Wichtig ist, dass die Notstromversorgung nicht durch dieselbe Schutzeinrichtung abgeschaltet wird wie die allgemeine Beleuchtung – sonst fällt im Fehlerfall auch die Notbeleuchtung aus.
Die Wahl zwischen Einzelbatterie und zentraler Versorgung hängt von der Gebäudegröße, der Anzahl der Leuchten und dem Wartungsaufwand ab. Große Gebäude mit vielen Rettungswegen profitieren meist von einer zentralen Lösung, kleinere Objekte von Einzelbatterien.
Prüfliste vor der Freigabe
Vor der Freigabe einer Notbeleuchtung lässt sich die Planung mit einer kurzen Liste kontrollieren. Jeder Punkt hat eine Entsprechung in der Dokumentation.
- alle Rettungswege und Ausgänge im Grundriss erfasst
- Umschaltzeit für jede Zone festgelegt und begründet
- Betriebsdauer passend zur Nutzung des Gebäudes gewählt
- Leuchten nach Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit angeordnet
- Versorgung der Notbeleuchtung von der allgemeinen Beleuchtung getrennt
- Kennzeichnung von Treppen, Ausgängen und Wegkreuzungen eingeplant
- Prüfintervalle und Zuständigkeit festgehalten
Fällt ein Punkt durch, ist die Planung noch nicht freigabereif. Die Liste ersetzt keine Norm, macht aber sichtbar, wo Angaben fehlen.
Planung dokumentieren und übergeben
Halten Sie Fluchtwege, bemessene Bereiche, Leuchten, Betriebsdauer und Umschaltzeiten schriftlich fest. Diese Angaben gehören in die Projektdokumentation, damit Errichter und Betreiber dieselbe Grundlage haben.
Achten Sie darauf, dass Beleuchtungsplan, Verteilerplan und Stückliste auf demselben Stand bleiben. Ändert sich der Grundriss, müssen alle drei angepasst werden.
In GorkyCAD Pro entstehen Beleuchtungsplan, Verteilerplan und Stückliste aus einem einzigen Modell. Die Planung läuft im Browser und orientiert sich an gängigen Normen wie IEC 60364; Ergebnisse lassen sich unter anderem als PDF, DXF oder XLSX exportieren.
FAQ
Welche Arten der Notbeleuchtung gibt es?
Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege, Beleuchtung für gefährdete Arbeitsplätze und Orientierungsbeleuchtung. Sie werden getrennt bemessen und versorgt.
Wie lange muss Notbeleuchtung leuchten?
Für Rettungswege werden in der Regel mindestens eine Stunde gefordert. Bei besonderen Gefährdungen und für nicht sofort räumbare Gebäude sind längere Zeiten möglich.
Was bedeutet die Umschaltzeit?
Sie beschreibt, wie schnell eine Notleuchte nach Ausfall der Allgemeinbeleuchtung ihre Funktion übernimmt. Eine kurze Umschaltzeit ist für die Orientierung entscheidend.
Muss Notbeleuchtung regelmäßig geprüft werden?
Ja. Geprüft werden Funktion, Betriebsdauer und Kennzeichnung, jeweils mit dokumentiertem Ergebnis. Die Intervalle richten sich nach den nationalen Vorgaben.