Warum ein Glossar hilft
Elektroplanung arbeitet mit einer eigenen Fachsprache. Wer Pläne liest oder erstellt, stößt ständig auf Begriffe, deren genaue Bedeutung den Unterschied zwischen einer tragfähigen und einer riskanten Planung ausmacht.
Missverständnisse entstehen selten bei den großen Zusammenhängen, sondern bei einzelnen Begriffen: Was genau ist mit Bemessungsstrom gemeint, was mit Verlegeart, was mit Selektivität?
Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe kurz und praxisnah. Es ersetzt keine Norm, hilft aber, Pläne, Stücklisten und Berechnungen richtig zu lesen und im Team dieselbe Sprache zu sprechen.
Grundbegriffe der Planung
Diese Begriffe begegnen dir in fast jeder Berechnung und in jedem Planungskopf.
Bemessungsstrom – der Strom, für den ein Leiter oder ein Betriebsmittel dauerhaft ausgelegt ist.
Bemessungsspannung – die Spannung, für die eine Anlage oder ein Betriebsmittel vorgesehen ist.
Anschlussleistung – die Leistung, die ein Verbraucher oder eine Verbrauchergruppe aufnimmt.
Gleichzeitigkeitsfaktor – der Anteil der Verbraucher, der realistisch zugleich in Betrieb ist.
Diversitätsfaktor – ein Faktor, der die unterschiedliche Nutzung von Verbrauchergruppen abbildet.
Spitzenlast – die höchste Leistung, die im betrachteten Zeitraum auftritt.
Lastberechnung – die Ermittlung des zu erwartenden Stroms oder der Leistung aus den einzelnen Verbrauchern.
Leistungsfaktor – das Verhältnis von Wirkleistung zu Scheinleistung in einem Wechselstromsystem.
Leitungen und Kabel
Bei Leitungen entscheidet der Querschnitt über Stromtragfähigkeit und Spannungsfall.
Querschnitt – die Querschnittsfläche des Leiters, meist in Quadratmillimeter, die die Stromtragfähigkeit bestimmt.
Ader – ein einzelner Leiter innerhalb einer Leitung oder eines Kabels.
Außenleiter – der Leiter, der im Betrieb Spannung führt.
Neutralleiter – der Leiter, der im Drehstromsystem den Rückstrom führt.
Schutzleiter – der Leiter für Schutzmaßnahmen und die Abführung von Fehlerströmen.
Häufung – das gemeinsame Verlegen mehrerer Leitungen, das die Erwärmung erhöht.
Verlegeart – die Art der Montage – Wand, Rohr oder Rinne –, die die Strombelastbarkeit beeinflusst.
Biegeradius – der kleinste zulässige Radius beim Biegen einer Leitung.
Spannungsfall – der Spannungsverlust über eine Leitungslänge, der Verbraucher und Normgrenzen belastet.
Leitungslänge – die tatsächliche Länge eines Stromkreises, die Spannungsfall und Schleifenimpedanz mitbestimmt.
Schutz und Sicherheit
Diese Begriffe tauchen im Fehlerfall auf und sollten sitzen, bevor ein Plan freigegeben wird.
Fehlerstrom – der Strom, der über einen Fehlerpfad statt über den Betriebsstromkreis fließt.
Fehlerstrom-Schutzeinrichtung – ein Gerät, das bei einem Fehlerstrom abschaltet und so Personen schützt.
Leitungsschutzschalter – eine Schutzeinrichtung gegen Überstrom, oft als LS-Schalter bezeichnet.
Kurzschlussstrom – der Strom, der bei direktem Kontakt zweier Leiter unterschiedlichen Potentials fließt.
Abschaltzeit – die Zeit, bis eine Schutzeinrichtung den Fehler abschaltet.
Berührungsspannung – die Spannung, die an berührbaren Teilen im Fehlerfall anliegt.
Potentialausgleich – das Verbinden leitfähiger Teile auf gleiches Potential.
Schutzgrad – die Kennzeichnung des Schutzes eines Betriebsmittels gegen Staub und Wasser.
Schleifenimpedanz – der Widerstand des Fehlerstromkreises, der die Abschaltung bestimmt.
RCD – die gängige Abkürzung für eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung.
LS-Schalter – die gängige Abkürzung für einen Leitungsschutzschalter.
Erdung – die Verbindung leitfähiger Teile mit dem Erdreich zur Ableitung von Fehlerströmen.
Verteiler und Schaltgeräte
Im Verteiler laufen die Ströme zusammen und werden geschützt aufgeteilt.
Verteiler – der Ort, an dem Leitungen aufgeteilt und einzeln geschützt werden.
Sammelschiene – eine leitende Verbindung, die mehrere Abgänge versorgt.
Selektivität – das gestaffelte Abschalten, sodass nur der betroffene Teil abgetrennt wird.
Schaltvermögen – die Fähigkeit eines Schalters, einen Fehlerstrom sicher abzuschalten.
Sicherung – ein Schutzelement, das bei Überstrom einmalig abschaltet und ersetzt wird.
Bemessungsstrom – der Strom, der dauerhaft über ein Gerät fließen darf, ohne dass es überlastet.
Reserveplatz – freier Platz im Verteiler für spätere Erweiterungen.
Messen, Prüfen und Inbetriebnahme
Vor der Inbetriebnahme wird geprüft, ob die Anlage den Plan tatsächlich umsetzt.
Isolationswiderstand – der Widerstand der Isolierung gegen Erde und zwischen Leitern, ein Maß für die Schutzfunktion.
Durchgangsprüfung – der Nachweis, dass ein Leiter durchgehend verbunden ist.
Auslösestrom – der Strom, bei dem eine Schutzeinrichtung auslöst.
Messprotokoll – die dokumentierte Sammlung der Messwerte einer Anlage.
Inbetriebnahme – der Übergang von der fertigen Montage zum bestimmungsgemäßen Betrieb.
Trassen und Verlegung
Die Verlegeart ist ein Begriff aus dem Alltag der Baustelle und wirkt direkt auf die Berechnung.
Kabelrinne – eine offene Trasse für viele Leitungen, meist auf oder unter der Decke verlegt.
Kabelkanal – eine geschlossene Trasse, die Leitungen mechanisch und optisch schützt.
Füllgrad – das Verhältnis von Leitungsquerschnitt zu Querschnitt der Trasse oder des Rohrs.
Zugpunkt – eine Stelle, an der Leitungen in eine Trasse eingezogen oder abgezweigt werden.
Potentialausgleichsschiene – die Sammelstelle, an der leitfähige Teile verbunden werden.
Abzweig – eine Stelle, an der eine Leitung von einer Trasse zu einem Verbraucher führt.
Stützabstand – der Abstand zwischen den Befestigungspunkten einer Trasse.
Dehnungsabschnitt – ein Trassenbereich, der Temperaturänderungen ohne Spannung aufnimmt.
Maßeinheiten und Kürzel
Viele Begriffe werden im Alltag als Kürzel verwendet. Die wichtigsten zur Einordnung.
Quadratmillimeter – die übliche Einheit für den Leiterquerschnitt.
Ampere – die Einheit der elektrischen Stromstärke.
Volt – die Einheit der elektrischen Spannung.
Kilowatt – die Einheit der Wirkleistung von Verbrauchern.
Kilovoltampere – die Einheit der Scheinleistung, oft für Transformatoren angegeben.
Drehstrom – das System mit drei Außenleitern, das in Gebäuden üblich ist.
Diese Kürzel begegnen dir in Plänen, auf Typenschildern und in Berechnungen. Wer sie sicher liest, ordnet Angaben schneller ein und vermeidet Missverständnisse im Team.
Normen und Dokumentation
Zum Schluss die Begriffe, die den Plan zum prüfbaren Dokument machen.
IEC 60364 – die internationale Normenreihe für die Errichtung von Niederspannungsanlagen.
Zeichnungsnummer – die eindeutige Kennung jeder Zeichnung im Projekt.
Revisionsstand – die Version einer Zeichnung nach einer Änderung.
Stückliste – die Zusammenstellung der benötigten Betriebsmittel und Mengen.
Dokumentensatz – die vollständige Übergabe aus Plänen, Listen und Nachweisen.
In GorkyCAD Pro entstehen Pläne, Verteilerplan und Stückliste aus einem Modell und bleiben dadurch auf demselben Stand. Die Planung läuft im Browser und lässt sich unter anderem als PDF, DXF oder XLSX exportieren.
FAQ
Ersetzt das Glossar ein Fachbuch?
Nein. Es erklärt Begriffe kurz und dient als Nachschlagehilfe im Alltag, ersetzt aber weder Normen noch weiterführende Literatur.
Sind die Begriffe in allen Ländern gleich?
Die Grundbegriffe sind ähnlich, die konkreten Werte und Bezeichnungen unterscheiden sich jedoch nach nationalen Regeln.
Welche Begriffe sollten Planer sicher kennen?
Bemessungsstrom, Querschnitt, Verlegeart, Abschaltzeit und Selektivität gehören zum Kern jeder Planung.
Wo finde ich Rechner zu diesen Begriffen?
Für Querschnitt, Spannungsfall und Kurzschlussstrom stehen im Werkzeugbereich passende Rechner bereit.