Wann diese Prüfliste greift
Kurz vor der Freigabe entscheidet sich, ob ein Projekt ohne Nacharbeit durchgeht. Diese Prüfliste bündelt die Punkte, die dabei erfahrungsgemäß übersehen werden, und lässt sich in jeder Phase anwenden – ob Einfamilienhaus oder Gewerbeobjekt.
Sie ist als Ablauf gedacht: erst Vollständigkeit, dann Technik, dann Schutz und Dokumentation. Wer die Reihenfolge einhält, findet Fehler früher und billiger.
Die Liste ersetzt keine Norm. Sie sorgt dafür, dass die Dinge, die im Alltag untergehen, nicht untergehen – und dass die Freigabe auf einem geprüften Stand erfolgt.
Am besten legst du die Punkte als feste Routine an und hakst sie in einem Durchgang ab. So bleibt die Prüfung nachvollziehbar und wiederholbar, auch wenn das Projekt den Bearbeiter wechselt.
Vollständigkeit der Unterlagen
Am Anfang steht die Frage, ob überhaupt alles vorliegt. Fehlende Blätter fallen später teuer auf.
- Grundrisse sind vollständig und zeigen alle Räume samt Nutzung, weil Nutzung und Feuchte die Anforderungen bestimmen.
- Übersichts- und Verteilerpläne tragen eindeutige Bezeichnungen, die zu Plänen und Stückliste passen.
- Die Stückliste führt Leitungen, Betriebsmittel und Mengen und deckt sich mit den Plänen.
- Revisionsstand und Änderungsindex stehen auf jedem Blatt und sind untereinander stimmig.
- Schutz-, Erdungs- und Potentialausgleichskonzept liegen vor und sind nicht nur angedeutet.
- Besondere Bereiche wie Bad, Küche, Außen oder Technikräume sind erkennbar gekennzeichnet.
- Die Zuordnung von Stromkreisen zu Räumen und Verbrauchern ist widerspruchsfrei.
- Alle Änderungsstände sind datiert, sodass die Reihenfolge der Bearbeitung nachvollziehbar ist.
- Kennzeichnungen im Plan entsprechen denen in der Stückliste.
Technische Kontrolle
Danach geht es an die Zahlen. Hier lohnt sich der genaue Blick, denn Fehler ziehen sich durch die Ausführung.
- Querschnitte gegen Strombelastbarkeit, Häufung und Spannungsfall prüfen und die Werte dokumentieren.
- Leitungslängen mit den tatsächlich geplanten Trassen abgleichen, nicht mit Schätzwerten.
- Abschaltbedingungen und Selektivität kontrollieren, damit im Fehlerfall die richtige Schutzeinrichtung anspricht.
- Verteilerbelegung mit den Plänen abgleichen, sodass jede Sicherung dem richtigen Stromkreis zugeordnet ist.
- Leistungsbilanz und Gleichzeitigkeit der Verbraucher nachrechnen.
- Reserve für spätere Erweiterungen einplanen und im Verteiler sichtbar lassen.
- Betriebsmittel und Kennzeichnung nach dem tatsächlichen Einsatzbereich wählen.
- Kabeltyp und Verlegeart passen zur Umgebung und zur erwarteten Belastung.
- Abzweige und Klemmstellen sind eindeutig und vollständig dargestellt.
Schutz und Sicherheit
Schutzmaßnahmen sind kein Anhang, sondern der Kern. Deshalb bekommen sie einen eigenen Durchgang.
- Fehlerstrom-Schutzkonzept je Stromkreis prüfen und mit der Nutzung abstimmen.
- Schutzleiter und Potentialausgleich vollständig nachweisen, nicht nur vorsehen.
- Besondere Bereiche gesondert betrachten, weil dort strengere Schutzmaßnahmen gelten.
- Kennzeichnung von Leitungen und Betriebsmitteln festlegen, damit die Ausführung eindeutig ist.
- Not- und Sicherheitsfunktionen mit dem Betreiber abstimmen.
- Überspannungs- und Blitzschutzkonzept auf die Anlage abstimmen.
- Kennzeichnung und Beschriftung sind für die spätere Wartung ausreichend.
Prüftabelle für die wichtigsten Punkte
| Punkt | Anhalt | Prüfung |
|---|---|---|
| Querschnitt | Strombelastbarkeit, Spannungsfall | Berechnung mit Häufung |
| Abschaltung | Fehlerstrom- und Schutzleiterkonzept | Nachweis und Auslösezeit |
| Verteiler | Belegung und Selektivität | Vergleich mit den Plänen |
| Dokumente | Revisionsstand, Index, Stückliste | Sichtprüfung auf Stimmigkeit |
Was nach der Freigabe passiert
Mit der Freigabe beginnt die Ausführung – und damit die Zeit, in der Änderungen am teuersten sind. Deshalb sollte die Freigabe bewusst als Schnitt verstanden werden: Ab hier gelten die geprüften Stände.
Trotzdem bleiben Nachträge nicht aus. Wer die Freigabe sauber dokumentiert, kann später belegen, was zum Zeitpunkt der Übergabe vereinbart war.
Hilfsmittel für die Prüfung
Eine Prüfung läuft leichter, wenn die Grundlagen griffbereit sind: die geltenden Normen, die Projektvorgaben des Auftraggebers und die Berechnungsgrundlagen.
Hilfreich ist ein kurzes Andenken-Protokoll, in dem jeder geprüfte Punkt mit Datum abgehakt wird. Es zeigt später, worauf die Freigabe beruhte.
Wer mit einem Modell arbeitet, kann viele Punkte direkt im Plan kontrollieren. Stückliste und Pläne stehen dann ohnehin in einem Zusammenhang.
Export und Übergabe
Zum Abschluss wird der Dokumentensatz erzeugt. Achte darauf, dass alle Blätter denselben Revisionsstand tragen und die Stückliste zu den Plänen passt.
In GorkyCAD Pro entsteht der Dokumentensatz aus einem Modell und lässt sich unter anderem als PDF, DXF oder XLSX ausgeben – mit Spezifikation, Kabeljournal und Verteilerpass als Teil des Satzes.
So greifen Prüfung und Übergabe ineinander: Was geprüft wurde, wird im selben Werkzeug ausgegeben und bleibt nachvollziehbar.
FAQ
Wie oft sollte die Prüfliste angewendet werden?
Idealerweise bei jedem größeren Zwischenstand und erneut kurz vor der Freigabe, damit Änderungen nicht durchrutschen.
Ersetzt die Liste eine normgerechte Prüfung?
Nein. Sie ist eine Arbeitshilfe und ersetzt weder die anwendbaren Normen noch behördliche Vorgaben.
Was ist der häufigste Fehler?
Geänderte Grundrisse, die nicht in Stückliste und Verteilerplan nachgeführt wurden.